Gedanken zum 30-jährigen Geburtstag der Schule St. Lorenz in Kasachstan
von P. Paul Schindele SJM
Im Jahr 2000 erbat sich P. Lorenz Gawol, Generalvikar der Erzdiözese Heilige Maria in Astana, einen Priester unserer Gemeinschaft, um seine Aufgaben als Verwaltungsdirektor der Schule Sankt Lorenz und in der pastoralen Arbeit der Pfarreien von Korneewka und Tonkoschurowka zu übernehmen. Seit mittlerweile 26 Jahren wirkt unsere Gemeinschaft in Kasachstan, zehn Priester der SJM waren für mindestens ein Jahr in diesem Land tätig. Um das missionarische und seelsorgliche Wirken in Kasachstan besser einordnen zu können, ist die Kenntnis einiger Aspekte hilfreich:
Außergewöhnliche Voraussetzungen der missionarischen Arbeit in Kasachstan
Aspekt 1: Kasachstan war einst Teil der UdSSR. Jahrzehnte eines bewusst anti-religiösen Systems, das das Wohl des Staates konsequent über das Wohl des einzelnen Menschen stellte, sind an den Ländern der ehemaligen UdSSR nicht spurlos vorübergegangen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion erklärte sich das Land als Republik Kasachstan am 16. Dezember 1991 selbständig. Die Muttergottes hatte 1917 bei den Erscheinungen in Fatima sowohl den Aufstieg Russlands vorhergesagt, das „seine Irrlehren über die Welt verbreiten würde“, als auch seine spätere Bekehrung. Voraussetzung für eine Bekehrung sind die Erfüllung der Wünsche Mariens (Bekehrung, Verehrung/Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens, Weihe Russlands durch den Heiligen Vater). In Kasachstan kann man ganz real an der Hinführung des ehemaligen Sowjetimperiums zum Glauben an Christus mitwirken.
Aspekt 2: Die ökonomische, politische und gesellschaftliche Situation in Kasachstan ist angespannt. Die katholische Kirche ist im Land angesehen, allerdings macht sie nur weniger als 1 % der Bevölkerung aus und schrumpft noch weiter: Nachdem die mehrheitlich christlich geprägten deutsch- und polnischstämmigen Menschen schon vor längerer Zeit in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind, führt die Fokussierung auf kasachische Kultur, Sprache und Nationalität dazu, dass viele junge europäisch geprägte Menschen für immer das Land verlassen, um in Russland, Polen, Deutschland, etc. eine neue Existenz aufzubauen. Manche Pfarreien in Kasachstan kämpfen ums Überleben. Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf die kirchliche Arbeit im Land, die zukünftig – will sie weiterhin Bestand haben – vor allem missionarisch und weniger „bestandsichernd“ tätig sein muss.
Aspekt 3: Kasachstan war und ist ein multiethnischer Staat mit über 100 Ethnien. Unter den Nationalitäten waren die kasachisch- und russisch stämmigen Personen lange Zeit ungefähr gleich stark vertreten (1989 jeweils ca. 40 %). Durch verschiedene Faktoren hat sich dieses Verhältnis inzwischen grundlegend geändert. 2025 waren ca. 71 % der Einwohner Kasachstan Kasachen und nur noch knapp 15 % Russen. Die Kasachen sind traditionell Muslime (die Russen orthodoxe Christen). Die oben angemerkte missionarische Notwendigkeit für einen Fortbestand der Kirche in Kasachstan wird sich also vor allem an Menschen mit islamischem Hintergrund richten. Trotz der vielen Kontakte, die die Priester und Ordensschwestern im Laufe der Jahre mit den Menschen vor Ort aufbauen konnten, ist eine „Massenbekehrung“ nicht in Sicht. Umgekehrt machen viele persönliche Begegnungen mit Muslimen Mut, dass die Offenheit und das Interesse für den Glauben wachsen. Hier gilt es, geduldige und authentische Arbeiter im Weinberg Christi zu sein. Christus allein kann die Herzen der Menschen bekehren!
Die Schule Sankt Lorenz in Korneewka
Die Schule „Sankt Lorenz“ wurde 1996 von Pater Lorenz Gawol unter dem Namen „Erste christliche Schule“ gegründet. Der erste Direktor der Schule, Wladimir Gorelik, verstarb am 7. April 1999 an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Seine Nachfolgerin wurde Ludmilla Barabasch. Im Jahr 2000 begann der Einsatz der SJM in Kasachstan. P. Peter E. wurde der Nachfolger von Pater Gawol als Verwaltungsdirektor der Schule. 2011 übernahm P. Janusch W. die Leitung. Im September 2018 verließ er Kasachstan, P. Leopold K. übernahm das Amt des Verwaltungsdirektors von Sankt Lorenz.
Von Anfang an kooperieren wir eng mit der Gemeinschaft der Franziskanerinnen aus Vöcklabruck, die seit 1995 in Kasachstan (Tonkoschurowka und Korneewka) tätig ist.
Die Schule ist ein Ort, wo unsere Patres tagtäglich mit zahlreichen Menschen verschiedenster Herkünfte zusammenkommen. Dies ist eine große Chance, um den Boden für Christus zu bereiten.
1996 begann die Schule mit 17 Kindern. Heute hat sie – von Vorschulklasse bis 11. Klasse – 174 Schüler. Der Kindergarten beherbergt 41 Kinder in 4 Altersgruppen. Seit 2009 gehört Sankt Lorenz zum Netz der sogenannten PASCH-Schulen (Partner für das Auslandsschulwesen), womit auch das DSD-Programm (Deutsches Sprachdiplom) im Lehrplan implementiert wird. Dieses Programm gibt den Schülern die Möglichkeit auf gutem Niveau Deutsch zu lernen und international anerkannte Zertifikate (Diplome) zu erlangen.
Geistige Ausrichtung der Schule
Vor 1991 gehörte Kasachstan zum Verbund der Sowjetrepubliken. Die staatliche Ideologie folgte dem dialektischen Materialismus, der sich durch die Leugnung einer geistigen Wirklichkeit (Seele, Gott, Sittengesetz) kennzeichnet. Nach dem Ende der Sowjetunion und der Unabhängigkeit 1991 erhielt Kasachstan eine Verfassung, die Staat und Religion streng voneinander trennt. Ca. 75 % der Bürger Kasachstans sind sunnitische Muslime, etwas mehr als 15% russisch-orthodoxe Christen. Weniger als 1% (d.h. zwischen 100.000 und 150.000 Menschen) sind katholisch. Gemäß der Verfassung ist es nicht erlaubt, konfessionellen Religionsunterricht an Schulen abzuhalten. Die direkten missionarischen Tätigkeiten müssen sich streng auf den Bereich der Pfarrei begrenzen.
Alle Missionare benötigen eine staatliche Erlaubnis, um – im Rahmen der Pfarrei – legal missionarisch tätig sein zu können. Diese Erlaubnis muss alljährlich erneuert werden.
Missionarische Tätigkeit außerhalb der Pfarreien muss diesen Rahmenbedingungen Rechnung tragen.
In der Schule wurde das auf folgende Weise verwirklicht.
1) Schulinterne Besonderheiten: Der Schulalltag ist geprägt durch Eigenfeste, die sich am Kirchenjahr orientieren und eine eigene Nomenklatur erfordern: Erntedank, Allerseelen, St. Martin, St. Nikolaus, Weihnachten. Diesen Festen gehen Unterrichtsstunden voraus, in denen der geistige Sinn erklärt wird.
2) Ethikunterricht: Alle Klassen haben Ethikunterricht, dessen Inhalte von uns erstellt wurden. Grundlage ist das natürliche Sittengesetz und die Präambula Fidei. Ab der 8. Klasse haben wir viele Elemente des TeenStar-Programms implementiert.
3) Schulgesetze, die sich an den 10 Geboten orientieren und den Schülern im Ethikunterricht nahegebracht werden.
4) Persönliche Präsenz und Kontakt: Unsere Patres definieren ihre Anwesenheit nicht in erster Linie als Verwalter und Lehrpersonen, sondern als Missionare. Sie beten und opfern für die Schule, die Schüler und Mitarbeiter und versuchen durch Vorbild und Gespräch mit den Menschen in Kontakt zu stehen und die Herzen für Christus zu öffnen.
5) Direkte Seelsorge geschieht in den Pfarreien (Hl. Messen, Beichten, Jugendgruppe, Chor, Legion Mariens, usw.), in der diözesanen Jugendarbeit, bei den ignatianischen Exerzitien und in der Arbeit von Missio-Kasachstan.
Hilfe zur Selbsthilfe
Kasachstan ist ein wirtschaftlich aufstrebendes Land. Dies macht sich vor allem in der Hauptstadt Astana bemerkbar, die inzwischen einen Vergleich mit westlichen Großstädten nicht mehr zu scheuen braucht. Auf dem Land leben viele Menschen nach wie vor in sehr einfachen, zum Teil ärmlichen Verhältnissen, auch in finanzieller Hinsicht. Das Konzept der Schule Sankt Lorenz beinhaltet, den jungen Menschen (und damit auch ihren Familien) durch eine solide ganzheitliche Bildung (menschlich, intellektuell, charakterlich, geistlich) die Voraussetzungen für ein erfülltes, sinnorientiertes Leben zu vermitteln. Hilfe zur Selbsthilfe, getreu nach dem Ausspruch des bekannten französischen Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry: „Willst du Sklaven, dann gib ihnen Brot. Willst du Freunde, dann bau mit ihnen einen Turm.“
Am zurückliegenden 13. Mai 2026 feierte die Schule nun ihr 30-jähriges Bestehen. Das Jubiläum begann bereits am Vorabend mit einem wundervollen klassischen Konzert im Schülerzentrum (dem ehemaligen Kinotheater, das in liebevoller Arbeit aus einer Ruine in ein multifunktionelles Gebäude verwandelt wurde). Am nächsten Tag fanden die eigentlichen Jubiläumsveranstaltungen statt, unter denen das Schülerkonzert herausragte. Zahlreiche Ehrengäste aus dem Bezirk, dem Landtag, von der Nuntiatur und aus Österreich und Deutschland waren hierzu angereist, unter ihnen auch die Botschafterin der Republik Österreich in Kasachstan. Das Jubiläumsprogramm konnte sich wahrlich sehen lassen. Beeindruckend ist aber vor allem, die tiefe Verbundenheit der Lehrkräfte, Erzieher, der Verwaltung, des technischen Personals und die anderen Personen, die am Schulprojekt mitarbeiten, mit unseren Patres und den Franziskanerinnen zu beobachten. Durch die jahrelange, zum Teil sehr herausfordernde, gemeinsame Arbeit an einem Projekt zugunsten junger Menschen ist eine echte Vertrauensbasis und Freundschaft gewachsen. Durch das Schulprojekt Sankt Lorenz wurden so nicht nur eine große Anzahl Kinder und Jugendlicher begleitet, sondern auch die zahlreichen Personen, die in irgendeiner Weise an dem Projekt mitgearbeitet haben oder noch mitarbeiten, haben aus dem Schulprojekt großen Nutzen gezogen. So darf man mit Recht sagen, dass hier über den Zeitraum von 30 Jahren der Samen des Reiches Gottes ausgesät wurde. Möge der Herr die Saat wachsen und Frucht bringen lassen!
Dank an die treue Unterstützung durch zahlreiche Wohltäter
All das wäre nicht möglich gewesen, wenn in den zurückliegenden drei Jahrzehnten nicht zahllose Wohltäter aus Deutschland und Österreich treu und großherzig dieses Schulprojekt unterstützt hätten. Das ist den Menschen in Kasachstan durchaus bewusst und sie haben ihren Dank beim Schuljubiläum wiederum zum Ausdruck gebracht. Wir möchten diesen Dank an alle Wohltäter weitergeben: Gott vergelte Ihnen, was Sie, oft unter beträchtlichen persönlichen Opfern, zur Unterstützung der Schule Sankt Lorenz und ganz allgemein der Arbeit unserer Gemeinschaft in Kasachstan getan haben! Wir sind davon überzeugt, dass sich diese Unterstützung gelohnt hat und weiterhin lohnen wird. Die Schule Sankt Lorenz kann auch in Zukunft nur durch die großzügige materielle Unterstützung durch Spender in Deutschland und Österreich bestehen und ihre wertvolle Arbeit leisten. Jede Spende hilft! Ein Dauerauftrag hat dabei den Vorteil, dass er uns mehr Planungssicherheit gibt. Lassen Sie uns gemeinsam dazu beitragen, dass die Menschen in Kasachstan die frohe Botschaft unseres christlichen Glaubens erfahren. Wer weiß, welche Früchte die Missionstätigkeit der Katholischen Kirche in Kasachstan langfristig noch bringen wird. Es wäre nicht das erste Mal in der Kirchengeschichte, dass aus ehemaligen Missionsgebieten neue Missionare hervorgehen, die dann das weitergeben, was sie selbst zuvor empfangen haben.
Was kann ich tun?
- Unterstützen Sie die Schule durch Ihr Gebet
- Informieren Sie sich regelmäßig über die Schule
- Über die Homepage: https://www.sanctlorenz.com/
- In dem Sie den Newsletter anfordern: info@sjm-online.org
- Machen Sie die Schule bekannt,
- indem Sie den Newsletter verbreiten
- indem Sie Flyer verteilen (Flyer unter info@sjm-online.org bestellen)
- Unterstützen Sie die Schule finanziell
- Durch einmalige Spenden
- Durch Übernahme einer Schulpatenschaft
- Die Unterhaltskosten für einen Schüler betragen im Monat ca. 50 €; indem Sie monatlich diesen Beitrag überweisen, übernehmen Sie eine Schulpatenschaft
- Regelmäßige Spenden geben den Verantwortlichen der Schule eine größere Planungssicherheit
Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung finden Sie auf der Seite Unterstützen. Vergelts Gott für Ihre Hilfe!
Der Artikel wurde publiziert in der Zeitschrift “Der Ruf des Königs” (2026/4).